Störungsbilder in der Logopädie
Ein Überblick über die Störungsbilder, die wir in unseren Praxen behandeln — kurz erklärt und mit weiterführenden Quellenangaben. Diese Übersicht ersetzt keine Diagnostik; bei Fragen zu Ihrer individuellen Situation beraten wir Sie gerne persönlich.
Aussprachestörungen
Kinder bilden einzelne Laute falsch, lassen sie aus oder ersetzen sie durch andere (z. B. „Tanne" statt „Kanne"). Betrifft die phonetisch-phonologische Entwicklung und ist eine der häufigsten Vorstellungsgründe im Kindesalter.
Quelle: Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V. (o. D.). Aussprachestörungen.
Sprachentwicklungsstörungen
Der Erwerb von Wortschatz, Grammatik und/oder Sprachverständnis verläuft deutlich verzögert oder abweichend im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern — häufig sind mehrere sprachliche Ebenen gleichzeitig betroffen.
Quelle: Grohnfeldt, M. (Hrsg.). (2017). Grundwissen der Sprachheilpädagogik und Sprachtherapie. Kohlhammer.
Late Talker
Kinder, die im Alter von etwa 24 Monaten einen Wortschatz von unter 50 Wörtern haben und noch keine Zwei-Wort-Sätze bilden. Ein Teil dieser Kinder holt den Rückstand von selbst auf, ein Teil entwickelt eine Sprachentwicklungsstörung.
Quelle: Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V. (o. D.). Späte Sprachentwicklung (Late Talker).
Dysgrammatismus (Störungen des Grammatikerwerbs)
Schwierigkeiten beim Erwerb grammatischer Regeln — etwa bei Satzbau, Verbstellung, Flexion oder der Verwendung von Artikeln und Präpositionen.
Quelle: Grohnfeldt, M. (Hrsg.). (2007). Lehrbuch der Sprachheilpädagogik und Logopädie. Kohlhammer.
Störungen des Wortschatzerwerbs
Der aktive und/oder passive Wortschatz baut sich langsamer oder anders auf als altersgemäß erwartet — Kinder verstehen oder verwenden deutlich weniger Wörter als Gleichaltrige.
Quelle: Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V. (o. D.). Sprachentwicklungsstörungen.
Sprachverständnisstörungen
Gesprochene Sprache wird nicht altersgemäß verstanden — das betrifft einzelne Wörter, Satzstrukturen oder komplexere Zusammenhänge und wirkt sich häufig auch auf schulische Leistungen aus.
Quelle: Grohnfeldt, M. (Hrsg.). (2017). Grundwissen der Sprachheilpädagogik und Sprachtherapie. Kohlhammer.
Orofaziale Dysfunktionen / Myofunktionelle Störungen
Ein gestörtes Zusammenspiel der Muskulatur von Mund, Zunge und Gesicht — etwa durch falsche Zungenruhelage oder Schluckmuster. Kann Aussprache, Zahnstellung und Kieferentwicklung beeinflussen und betrifft Kinder wie Erwachsene.
Quelle: Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V. (o. D.). Myofunktionelle Störungen.
Redeflussstörungen (Stottern, Poltern)
Beim Stottern wird der Redefluss durch Wiederholungen, Dehnungen oder Blockierungen unterbrochen; beim Poltern ist die Sprechweise überstürzt und undeutlich. Beides kann im Kindesalter beginnen und bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. (o. D.). S2k-Leitlinie: Redeflussstörungen – Stottern, Poltern. AWMF.
Störungen der Hörwahrnehmung und -verarbeitung (AVWS)
Trotz normalem peripherem Hörvermögen fällt es schwer, akustische Signale zu verarbeiten, zu unterscheiden oder zuzuordnen — mit Auswirkungen auf Sprachentwicklung, Aufmerksamkeit und schulisches Lernen.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. (o. D.). Leitlinie: Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS). AWMF.
Stimmstörungen (Dysphonie)
Die Stimme klingt heiser, rau, gepresst oder ist schnell erschöpft — organisch (z. B. Stimmlippenknötchen) oder funktionell bedingt (z. B. durch Stimmüberlastung), bei Kindern ebenso wie bei Erwachsenen.
Quelle: Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V. (o. D.). Stimmstörungen.
Lese-Rechtschreib-Störung (LRS)
Deutliche, andauernde Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und/oder Rechtschreibens, die nicht durch Intelligenz, Unterricht oder Sinnesbeeinträchtigungen erklärbar sind.
Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. (o. D.). Leitlinie: Lese-Rechtschreibstörung. AWMF.
Aphasie (Sprachstörung)
Eine erworbene Sprachstörung nach einer Hirnschädigung — meist nach Schlaganfall — die Sprachverständnis, Wortfindung, Satzbildung, Lesen und/oder Schreiben betreffen kann. Die Intelligenz bleibt dabei erhalten.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie. (o. D.). Leitlinie: Rehabilitation aphasischer Störungen nach Schlaganfall. AWMF.
Dysarthrie (Sprechstörung)
Eine neurologisch bedingte Störung der Sprechmotorik — Atmung, Stimmgebung, Artikulation und Sprechmelodie sind durch eine Schädigung des Nervensystems beeinträchtigt, etwa nach Schlaganfall oder bei Parkinson.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie. (o. D.). Leitlinie: Dysarthrie. AWMF.
Dysphagie (Schluckstörung)
Das Schlucken von Speichel, Flüssigkeit oder Nahrung ist erschwert oder unsicher — mit Risiko für Verschlucken (Aspiration) und Mangelernährung. Häufig nach Schlaganfall, bei neurologischen Erkrankungen oder im hohen Alter.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie. (o. D.). Leitlinie: Neurogene Dysphagie. AWMF.
Sprechapraxie
Eine erworbene Störung der Planung und Programmierung von Sprechbewegungen nach einer Hirnschädigung — Betroffene wissen, was sie sagen möchten, die Artikulation gelingt aber nicht zuverlässig.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie. (o. D.). Leitlinie: Sprechapraxie. AWMF.
Fragen zu einem Störungsbild?
Wir beraten Sie gerne, ob eine logopädische Behandlung sinnvoll ist und wie der Weg dahin aussieht.